Rekonstruktion des Eiskellers nach historischem Vorbild
Kleiner Tannenwald, Bad Homburg v.d. Höhe

Projektrahmen

Die landgräfliche Anlage des Kleinen Tannenwalds geht zurück auf die Zeit zwischen 1770 und 1830, einer Blütezeit des europäischen Landschaftsgartens . Ihre Revitalisierung und Rekonstruktion, im Gesamtzusammenhang mit anderen Gartenanlagen- und Gebäuden entlang einer Blickachse vom Bad Homburger Schloß hinauf in den Taunus, hat sich die Stadt Bad Homburg v.d.Höhe gemeinsam mit dem Landesamt für Denkmalpflege in Hessen sowie der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten zu einer in Abschnitten zu realisierenden Aufgabe gemacht.

Nach umfangreichen Baumaßnahmen wie der Wiederherstellung des Teiches mit Insel und Fußgängerbrücke, des Kolonnadentempels, sowie der Wiederherstellung des Teichumfeldes und des Eingangsbereiches zum Park erfolgt nun die Rekonstruktion des Eiskellers nach historischem Vorbild von ca. 1835.

Der Eiskeller

Der Eiskeller ist ein unterirdisches oder teilweise unterirdisches Bauwerk, das früher zum Aufbewahren von Speisen und Getränken im dort gelagerten und vor dem Schmelzen gut isolierten Eis genutzt wurde.

Die Entstehung und Nutzung der Eiskeller beschränkte sich im 18ten und frühen 19ten Jahrhundert zumeist auf die wohlhabende Bevölkerung. Eiskeller standen daher überwiegend in der Nähe von Gutshäusern oder Schlössern. Der Eiskeller im Kleinen Tannenwald kann in Ergänzung zu der ebenfalls und ganz nah dort vorhandenen Meierei gesehen werden, einem im Prinzip kleinen landwirtschaftlichen Betrieb des landgräflichen Schlosses. Das verwendete Eis entnahm man dem nahen Teich.

Die meisten Eiskeller sind abgerissen, zugeschüttet oder verfallen. Nur wenige Eiskeller wurden in Deutschland restauriert . Daher bildet das Projekt zur Rekonstruktion des Eiskellers im Kleinen Tannenwald einen wichtigen Beitrag zur Dokumentation und Erklärung, sowie zur Erhaltung dieses seltenen Gebäudetyps .

Das Projekt

Der zugeschüttete Eiskeller wurde im Frostbereich seiner Peripherie sowie dann im Inneren zunächst gänzlich freigegraben. Das Natursteingefüge des Bauwerks konnte so hinsichtlich Ausbildung und Tragfähigkeit zunächst ausführlich untersucht werden.

Darauf aufbauend wurde in Schadensbereichen wieder ergänzend neu auf- und beigemauert, bzw. das zu erhaltende Mauerwerk denkmalgerecht saniert. Da kein denkmalpflegerischer Befund zur (vermuteten) Ziegelmauerwerkskuppel aufgefunden werden konnte erfolgte die Ausführung der raumabschließenden Kuppel des Eiskellers in Ortbeton auf einer vorher im Holzbauwerk exakt vorgefertigten Holzschalung.

Die im Zuge der Ausgrabungsarbeiten aufgefundene und noch sehr intakte innere Ziegelmauerwerksschale wurde fachgerecht gesäubert, neu ausgefugt, und dann mit historischem Material in den verloren gegangenen höher gelegenen Abschnitten ergänzt. Auch die weitgehend zerstörte Eingangsschleuse hat man gänzlich neu aufgemauert.

Zur Besichtigung des Eiskellers durch die Öffentlichkeit ist eine Gitterrostplattform als vom historischen Bestand gestalterisch stark losgelöste Stahlkonstruktion eingefügt. Die schlanke Konstruktion beeinträchtigt den Eiskeller- Raum nicht sehr stark. Der Gitterrost ruht auf einem axial angeordneten großen Stahlträger, der in nur einem rückwärtigen schweren, und als "Gegengewicht" wirkenden Fundament verankert ist, und in das alle anfallenden Lasten eingeleitet werden. Die Eingriffe in die bestehende Substanz bleiben minimal. Ein Monitor im Außenbereich erläutert auf Knopfdruck Projekt und Historie.